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Ein Stern mit Geschichte

Nachricht 13. Dezember 2018

Rechtzeitig zum ersten Advent erstrahlte - dank Förderverein – im Altarraum wieder das wunderbare helle Licht eines neuen Herrnhuter Sterns; denn an dem alten hatte der Zahn der Zeit heftig genagt. Um so schöner, dass das vertraute Leuchten des neuen Sterns mit seinen traditionell 25 pyramidenförmigen Zacken unser Altarbild ins rechte Licht setzen kann. Über die Entstehung des in aller Welt bekannten Herrnhuter Sterns gibt es zwei Geschichten: Um das Warten der Internatskinder auf ihre weltweit als Missionare tätigen Eltern zu verkürzen, sei ein Lehrer auf die Idee gekommen, sie mit anspruchsvollen Bastelarbeiten zu beschäftigen. Dieser Erklärung widerspricht nicht die zweite, dass nämlich der Stern als Anschauungsobjekt für den Geometrieunterricht entwickelt worden sei. Sein Grundkörper, auf den die pyramidenförmigen Zacken gesetzt sind, ist ein Rhombenkuboktaeder, so dass es sich insgesamt um einen mathematischen Körper handelt. Zum 50. Jahrestag der Herrnhuter Unitäts-Knabenanstalt in Niesky (Landkreis Görlitz) im Jahr 1821 schwebte im Hof dieses Internats am Dreikönigsfest der erste Stern mit 110 Zacken – und bald darauf auch in den schlichten weißen Sälen der Brüdergemeine. Dafür wurden weitere Exemplare in den Internaten gebastelt und zum 1. Advent aufgehängt. Anfang des 20.Jhds. begannen die manufakturmäßige Herstellung und der Vertrieb der Sterne, die bald auch von vielen evangelischen Gemeinden bestellt wurden. Ab 1920 lieferte die Sterngesellschaft mbH in Herrnhut Sterne mit 25 Zacken, weil diese besonders für die industrielle Fertigung geeignet waren. Auch während der DDR-Zeiten wurden sie weiter vertrieben und gingen zu 90% gegen Devisen ins Ausland. Heute sorgen in dem kleinen Ort bei Dresden 60 Arbeitskräfte, unterstützt von mehreren Behindertenwerkstätten der Region, jährlich für 600 000 Exemplare des beliebten Weihnachtsboten, wobei sie in den traditionellen Herrnhuter Missionsorten Genadendal in Südafrika und Musawas in Nicaragua noch in Handarbeit hergestellt werden. Vor einigen Jahren konnte eine kirchliche Reisegruppe aus unser Region die neue Manufaktur vor Ort besuchen und die großen, kleinen und verschiedenfarbigen Versionen des Lichtbringers in dunkler Zeit bewundern. Dass der Förderverein an dieser Stelle wieder hilfreich sein konnte, freut hoffentlich nicht nur dessen Mitglieder.

Elfriede Schroeder

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